Neulich an der Tanke

Vor kurzem bin ich mit meinem Drahtesel und einem kleinen 5-Liter-Kanister zur Tankstelle gefahren, um etwas Benzin für ein Kleingerät zu holen. Eigentlich nichts Ungewöhnliches, habe ich es doch schon öfters gemacht.
Wie immer pflocke ich meinen Drahtesel an, ging zur Zapfsäule, zapfte mir meine 5,00 Liter und dann gings ab zu Kasse.
Aufgrund Corona gleicht der Weg zur Kasse immer noch einem Labyrinth. Geduldig wartete ich am Schlangenende. In der einen Hand den Kanister und in der anderen Hand die Karte zum Bezahlen, ganz Coronakonform kein Bargeld.

Dann war ich endlich dran, doch die Dame ließ mich warten. Wie ich mit bekam, war ihre Chefin gerade da, dementsprechend aufgeregt war sie, aber sie war recht freundlich. Ich sagte ihr meine Zapfsäulennummer und dann begann das kleine Drama… sie sah den Kanister in meiner Hand.

Sie (ganz panisch): „Ist der voll?“

Ich (auf meinen Kanister schauend): „Ja.“

Sie: „Das können Sie doch nicht machen!“

Panisch schaute sie hin und her.

Sie: „Schnell, stellen Sie den Kanister unten hin.“

Ich verstand die ganze Sache nicht… stellte den Kanister dann aber auf den Boden. Gefühlt eine Sekunde später kam die Chefin und verließ die Tankstelle.

Sie: „Puh, da haben Sie ja nochmal Glück gehabt und ich auch.“

Ist ja schön, dass ich Glück gehabt habe, aber ich verstand nur Bahnhof…

Ich: „Warum?“

Sie: „Sie können doch nicht einfach den Kanister mit hier rein nehmen.“

Ich: „Ich kann doch nicht den Kanister draußen stehen lassen, ich bin mit Fahrrad hier. Den Kanister kann jemand klauen, wenn er unbeaufsichtigt draußen steht.“

Sie: „Warum kaufen Sie Benzin wenn Sie mit Fahhrad hier sind?“

Ich: „Es gibt gewisse Kleingeräte, die brauchen Benzin.“ (Es ging sie zwar nichts an, aber gut…)

Sie: „Aber Ihr Fahrrad braucht doch kein Benzin.“

In dem Moment wusste ich nicht was ich sagen sollte, ich meinte mit Kleingerät garantiert nicht meinen Drahtesel und schwieg einfach… der Bezahlvorgang dauerte außergewöhnlich lang, was wohl an ihrer Aufregung lag und daran, dass sie zwei Mal meine Zapfsäulennummer falsch eingegeben hatte… ich sah ihr regelrecht an wie sie grübelte, warum ich Benzin kaufte, wenn ich doch mit Fahrrad hier bin.

Sie: „Und wie verwenden Sie das Benzin an Ihrem Fahrrad?“

Ich (mehr als nur erstaunt): „Wie bitte?“ Ich war mir unsicher, ob ich die Frage richtig verstanden hatte.

Sie (langsam unfreundlicher und sehr ungedudig): „Na wo kippen Sie das Benzin am Fahhrad rein?“

Zum Glück hatten wir zu dem Zeitpunkt den Bezahlvorgang endlich abgeschlossen. Ich hatte auch keine Lust weiter zu diskutieren…das war mir dann iwie zu dumm. Ich wünschte ihr einen schönen Tag, nahm meinen Kanister und setzte mich in Bewegung.

Sie: „Warten Sie!“

Ich wartete und fragte mich was jetzt kommt.

Sie ging schnell zum Fenster und schaute nach, ob ihre Chefin noch zu sehen ist.

Sie: „Ok, sie ist weg denke ich, aber gehen Sie schnell, nicht das Sie gesehen werden.“

Ich sagte nichts mehr und ging wortlos.

Draußen schaute ich mir nochmal all die tausend bunten Aufkleber an und es stand nirgends, dass ich kein Benzin mit rein nehmen darf.

Ich wollte einfach nur schnell Benzin holen, mehr nicht…

155_2021

Vergabe
Nr. 3806
Unikat: 18 x 24 cm ORWO Fotopapier
(c) 2021 Ronald Puhle

Die Waschmaschine kann nicht das machen was sie sich vorgenommen hat.