Neulich am Müll

Vor einigen Tagen habe ich Müll runter gebracht. Ist jetzt nichts besonderes und macht jeder, sehe ich auch so. Ich wohne in einer Gegend mit Einwohnern, deren Durchschnittsalter mehr als das Doppelte meines Alters beträgt und ich immer wieder fest stelle wieviel unterschiedliche Pflegedienste es gibt. Ich bin also in einer Ü70-Gegend wohnhaft. Es hat gewisse Vorteile, die älteren Herrschaften sind recht ruhig und nur selten hört man abends ihre Lieblingsschlagersendungen à la Helene Silbereisen oder wie die auch alles heißen. Zum Glück kann ich meinen Fernseher auch lauter machen und muss mir das Gejaule nicht anhören. Es ist aber manchmal auch etwas nervig von so vielen Ü70ern umgeben zu sein. Ich oute mich mal als Vielbesteller bei Amazonien, Buchtelhausen und Co., das Hobby möchte schließlich befriedigt werden und ich sorge regelmäßig dafür, dass was gewünscht auch zeitnah zur Verfügung steht. So bleibt es nicht aus und meine Wohnung macht einem Lagerhaus Konkurrenz und ich könnte meine eigenes kleines Versandunternehmen gründen. Nur was soll ich verschicken? Meine Klecksereien sind nicht mal Ansatzweise so toll wie von meinem Vorbild und meist auch unfertig, teils aus Motivationsmangel, und haben möchte sie eh keiner und meine Fotografien brauchen auch noch Übung und mehr habe ich nicht zu bieten. Also bleibt mir nichts anderes übrig als mich mit meiner kleinen Machete, auch Cuttermesser genannt, durch mein Paket-Disneyschloss zu kämpfen und es in sportliche Einzelteile zu zerlegen, um es dann fachmännisch bzw. fachfrauisch zu entsorgen. Da fällt mir ein, dass ich es auch noch fachdiversisch entsorgen muss, wie konnte ich das nur vergessen. Da ich nicht zu den Menschen gehöre, die ihre Pakete einfach im leeren Rohzustand in die Tonne werfe, sodass diese dann gleich wieder voll ist, komprimiere ich alle Pakete durch Einsatz meiner Machete zum kleinstmöglichen Paket zusammen. Ich denke daran, dass auch noch andere ihren Müll weg bringen wollen. Ich nehme mein kaputtes Disneyschlosspaket aus Pappe und begebe mich durch das nicht wohlriechende Treppenhaus nach unten. Irgendjemand hat Eierkuchen gemacht und über den Hausflur gelüftet und es riecht nach kaltem Fett, da wird mir jetzt schon wieder schlecht wenn ich daran denke. Leider habe ich nicht meine schwere Atemschutzausrüstung dabei, um mich dadurch zu kämpfen. Als ich die Pforte des Hauses duchtrat, nahm ich erstmal einen tiefen Atemzug. Es tat gut, auch wenn es nur Stadtluft war, aber besser als die Abluft im Treppenhaus. Bevor ich den Schauplatz des Geschehens betrat, leerte ich noch schnell den Briefkasten. Ich könnte ihn mit Zetteln wie „Keine Werbung, Wochenblätter, etc.“ zukleistern, es würde immer noch etwas dergleichen im Kasten landen. Warum mach ich auch diese Zettel ran, könnte ja auch gut sein, dass ich mir nicht sicher bin und ich vielleicht doch die Werbung bekommen möchte. Ich ärgerte mich nicht weiter und ging zum Müllplatz. Vom weiten hörte ich schön wie zwei Damen gehobenen Alters eine rege Unterhaltung führten. Ich schloss die Tür zum Müllplatz auf und merkte schon wie ich mit meinen zwei Kompaktpaketen von oben bis unten gemustert wurde. Ich geb zu, ich gehe nicht im Sonntagskleid zum Müll runter, wenn ich vorher auf der Couch einen auf Kartoffel gemacht habe. Nein, es prangerte mein Lieblingseinhorn auf meinem Pullover und ich steh dazu. Ich ging zu meiner mir auserwählten Papiertonne, stellte meine beiden Pakete davor hin und öffnete die Tonnen. Zu meinem Erstaunen war sie leer. Ich hiefte den großen Deckel bis ganz nach hinten und versenkte mit einer Gewissen Genugtuung mein erstes Paket. Im Seitenblick sah ich wie sich die eine ältere Dame in meine Richtung bewegte. Ich schaute sie an und sah ihren herablassenden belehrenden Blick. Wenn ich sowas immer schon sehe, ist meine Grundstimmung schon mal etwas ins Negative gerutscht. Unfreundlich blaffte sie mir entgegen, dass ich die Pakete auch auseinander falten kann, damit mehr Papiermüll in die Tonne passt. Ich begegnete ihr mit einem freundlichen Hallo und bat sie bitte den Mindestabstand einzuhalten und sich bitte aus meinen Müllangelegenheiten rauszuhalten, ich mische mich ja auch nicht in ihrem Müll ein. Damit hatte sie anscheinend nicht gerehnet. Ich hatte mit meiner Reaktion auch nicht gerechnet, denn innerlich bin ich explodiert, was geht der Schnepfe meinen Müll an. Soll sie sich um was anderes kümmern und mich einfach in Frieden lassen, so wie ich sie auch in Frieden lasse. Sie schritt von dannen zur ihrer Tratschkumpanin und regte sich lauthals darüber auf, dass die jungen Menschen so respektlos und unfreundlich sind. Ich dachte ich höre nicht richtig und mein Schwein bohnert mal wieder mit einer außergewöhnlichen Kür über das Parkett. Das kann nicht wahr sein. Ich begegne jeden Menschen mit Respekt, egal welchen Alters, Herkunft oder was auch immer. Ich schmetterte mein zweites Paket in die Tonne und wollte mich auf den Heimweg machen und die beiden Damen ignorieren. Doch das klappte nicht. Die andere Dame fragte mich unfreundlich, warum ich meine Pakete nicht zerkleinere und warum ich um Abstand bitte. Ähm ja … Corona ist anscheinend grad nicht. Mir reichte es, eigentlich wollte ich nichts sagen, aber ich hab es satt. Ich hab es satt, ständig werden alle jungen Menschen von älteren Menschen über eine Kamm geschert und als respektlos bezeichnet. Das stimmt überhaupt nicht, sie sollten selber mal mehr Respekt zeigen. Ich weiß es gibt genug jüngere Menschen, die ältere Menschen respektlos behandeln, aber nicht alle, also macht mal einen Punkt! Von mir verlangen sie, dass ich sie respektvoll behandle, das möchte ich dann aber auch und nicht so doof angemacht werden. Nur weil sie alte Leute sind, heißt das noch lange nicht, dass sie einen herablassend behandeln müssen nur weil sie ein bis zwei Weltkriege mehr erlebt haben als ich. Nein das gibt ihnen nicht das Recht dazu mich so behandeln. Ich erkläre recht unfreundlich und angefressen, dass wir Abstand halten, weil wir grad zufällig Corona haben und damit wir alle – insbesondere sie – nicht abkratzen. Als sie den Mund aufmachen wollten, redete ich geich weiter, sodass sie keine Chance hatten, was zu sagen. Ich fuhr meine kleine Rede fort, dass es sie einen feuchten Scheißdreck angeht wie ich meinen Müll weg schmeiße und ich zu denjenigen gehöre, die ihren Papiermüll so klein wie möglich komprimieren und wenn sie das nicht glauben, können sie gerne in die Tonne klettern und nach schauen und dass sie sich mal überlegen sollten zu jüngeren Menschen mal netter zu sein. Auf die Frage, ob sie das Sprichwort „Wie es in den Wald hinein ruft, so schallt es wieder heraus.“. Eine Antwort habe ich bis jetzt immer noch nicht bekommen, aber es interessiert mich auch nicht. Ich war einfach nur noch mega angefressen. Wieder in den eigenen vier Wände machte ich meinem Ärger ordentlich Luft und schimpfte wie ein Rohrspatz oder wie ein Wellensittich auf einer Überdosis Jod S-11.

Unfertige Gedanken

Es sind viele Gedanken, die in meinem Kopf kreisen, wenn ich an dich denke, doch kann ich sie oft nicht in Worte wiedergeben.

Dich kann ich nicht in Worte fassen, denn es gibt keine oder nicht genügend Worte dich zu beschrieben und wo ich anfangen soll, weiß ich auch nicht.

Du bist einfach Du.

Deine Art und Weise.
Dein Wesen.
Dein Sein.
Dein Lächeln wenn du mich mit deinem warmen Blick ansiehst.
Dein warme Hand zu spüren, wenn sie über mein Gesicht streicht.
Dein Art mit Menschen umzugehen und sie so zu nehmen wie sie sind.
Deine Art zu reden und deine weise Wahl der Worte.

Du bist einer der wunderbarsten Menschen, die ich kenne.
Du bist wundervoll.
Du bist ehrlich und auch realistisch.
Du bist mehr als nur sehr lieb.
Du bist warm- und gutherzig.
Du bist sanft-würzig.
Du bist einfach liebenswert.

Du erkennst, wenn mir was auf dem Herzen liegt, nur indem du in meine Augen schaust.
Du erkennst auch im strömenden Regen, wenn ich weine.
Mit jeder kleinsten Berührung, berührst du mein Herz.

Immer hast du mir meine Fehler verziehen und mir eine Chance gegeben.
Immer hast du ein offenes Ohr für mich und bist dermaßen geduldig mit mir.
Immer hast du deinen Rat für mich oder sagst mir deine Meinung.
Immer hast du ein paar liebe und aufbauende/motivierende Wort für mich.
Immer hast du eine Umarmung für mich, wenn ich sie brauche.
Immer werde ich dir dankbarsein für alles, was du für mich getan hast, ich werde dir das nie vergessen.
Immer wirst du einen Platz einem Herzen haben.

Ich respektiere dich und deine Meinung und meine Wertschätzung dir gegenüber kann ich nicht als Maß festlegen, sie ist so hoch, das kannst du dir nicht vorstellen.

Was du mir gibst … einfach dich … dich … du so wie du bist, mit allen Ecken und Kanten und so ein wundervoller liebenswerter Mensch, den ich sehr liebe und nicht aufhören kann damit. Deine Liebe, die du gibst, deine äußerst liebevolle hilfsbereite Art, deine Nähe, deine Wärme und Geborgenheit, dein Geruch, deine Reife und Erfahrung, deine Haare, … das ist noch nicht alles, denn es ist einfach alles an dir, du als Komplettpaket gibst mir so viel und bereicherst so sehr mein Leben und bist so ein wichtiger Teil geworden, ohne den ich nicht mehr leben kann. Ich hab mich total in dich verliebt. Du bist so ein toller Mensch, den man nicht von der Bettkante stößt. Du bist ein Mensch, von dem viele träumen würden.

Ich konnte dich nie los lassen und bin froh, dass es ich es nie gemacht habe und werde dich auch nie los lassen.

Ich liebe dich!

Gedankenworte

… an das warum, wieso, weshalb oder auch nicht und ohne Sinn und Verstand.

Deo.

Taschentücherbox.

Tatoo.

Wäsche.

Haare.

Sommersprossen.

Bräune.

Brille.

2. Wahl.

Besuch.

Telefonat.

Nachfragen.

Pickel.

Pony.

Polken.

Diät.

Lippenschmiere.

Geruch.

Handy.

Spiel.

Musik.

Promotion.

Hygieneartikel.

Ich kenne mich nicht.

Und es ist noch mehr, aber gerade fällt es mir nicht ein.

Neulich bei der 115 – Wir lieben Fragen

… wie oft ich diesen Satz inzwischen gehört hab … jedes Mal wenn ich ihn höre, bekomme ich Herz oder inzwischen Magen, daran muss ich mich erst gewöhnen. Wäre das ein Trinkspiel und ich müsste jedes Mal einen hinter kippen, wenn ich diesen Satz höre, ich wäre nach kurzer Zeit sturz besoffen und würde jetzt schon jammernd eingerollt in der Ecke liegen. Zu Anfang meines Telefonates hat mir die nette Ansage beim Bürgertelefon gesagt, dass ich auf Platz 114 in der Warteschleife hänge und es ca. 50 min dauern wird. Da kommt Freude auf und innerlich ist die Konfetti-Party im vollen Gange … 50 min … ich möchte nur ein Termin beim Bürgeramt, damit es endlich offiziell ist. Nach 30 min Wartezeit werde ich aus der Warteschleifenschlange geworfen. Äußerst selten schaue ich so verdutzt mein Telefon an. Ich hätte mir diesen Termin sehr gerne online geholt, so ganz in echt in der großen weiten Welt des Internets, aber es ist partout kein Rankommen an einen Termin. Die Termine werden vom Bürgeramt frei geschaltet, wenn das Bürgeramt öffnet. Mein Bürgeramt öffnet um 7 Uhr, seit 6:30 aktualisiere ich alle paar Minuten die Seite, ab 7 Uhr dann alle paar Sekunden, doch nichts passiert, der Tag bleibt weiß und wird nicht blau. Bei blau könnte ich einen Termin buchen. Noch Stunden später ist der Tag immer noch weiß. Irgendwann nachmittags – ich aktualisiere nur noch 4-5 Mal in der Stunde – wird der Tag plötzlich rot, ohne, dass er blau wurde und man die Chance hatte sich einen Termin zu holen … also heißt es warten auf den nächsten Tag.

Nächster Tag, es ist 6:59 Uhr und in einer Minute sollte der nächste Tag frei gegeben werden und blau sein und dann kann ich einen Termin machen. Aus Gründen, die ich nicht weiß, bin ich optimistisch, dass es klappen würde. Wie so oft im Leben werde ich auch hier wieder enttäuscht, um Punkt 7 Uhr war der Tag rot, ohne überhaupt blau sein, und so langsam bin ich rot vor Ärger. Verzweiflung macht sich breit. Ich griff zum Telefon, um da nochmal mein Glück zu versuchen. Das Bürgertelefon „öffnet“ um 7 Uhr, um 7:01 Uhr sagt mir eine Bandansage, dass ich außerhalb der „Öffnungszeiten“ anrufe. Die Bandansage braucht anscheinend morgens auch erstmal einen Kaffee um munter zu werden. Ich lege auf und rufe umgehend nochmal an. Jetzt sind alle Leitungen besetzt und eine weitere Bandansage teilt mir mit, dass im Moment kein Mitarbeiter Zeit für mich hat und ich versuchen soll online einen Termin zu holen. Das steigert die Laune ungemein am frühen Morgen. Alle guten Dinge sind drei. Auch wenn gerade nichts gut ist. Ich rufe nochmal an und bin plötzlich in der Warteschleife. Platz 29 mit angeblich nur 3 min Wartezeit. 6 min später höre ich mir immer noch alle paar Sekunden an „115 – Wir lieben Fragen“. Von Mal zu Mal steigert dieser Satz mein im Normal sehr niedriges Aggressionspotential. Die Bandansage legt mir nahe zu einem anderen Termin anzurufen, um mir unnötige Wartezeit zu ersparen und ich mir lieber online einen Termin holen soll. Am liebsten hätte ich das Band rausgefädelt und Bandsalat draus gemacht. Nach 15 min darf ich mit einem Mitarbeiter sprechen. Ich höre den Engelschor im Himmel vor Schreck aufspringen und der versucht schnell noch eine Hallelujah anzustimmen, ja ich habe auch nicht damit gerechnet, dass ich mit einem Mitarbeiter sprechen kann. Ich versuch innerlich runter zu kommen und nicht allzu angesäuert zu wirken, was mir sichtlich schwer fällt, auch wenn ich weiß, dass der nette Herr wahrscheinlich nichts dafür kann. Ich schildere ihm mein Anliegen und er schaut bei meinem Wunschbürgeramt nach einem Termin. Alles augsgebucht. War ja klar. Er bietet mir Termine in anderen Ämtern an, die für mich aber zu weit weg bzw. zu schlecht erreichbar sind und ich lehne ab. Ich frage ihn, wann die Termine frei gegeben werden. Er meinte, wenn das Bürgeramt öffnet. Ich entgegne ihm gleich, dass das nicht stimmt, 7 Uhr macht es auf und sofort ist kein Termin verfügbar oder es passiert stundenlang nichts. Ich fragte ihn wie man online einen Termin buchen soll, wenn es überhaupt nicht die Möglichkeit gibt. Ich bekam die plumpe Antwort, dass man ganz schnell sein muss. Das ist mir schon klar, komme ja nicht aus Dummsdorf, aber wie soll ich etwas buchen, wenn es nicht mal sie Möglichkeit und Chance gibt zu buchen. Es gab daraug keine Antwort mehr. Recht unfreundlich habe ich ihm Tschüss gesagt und aufgelegt. Ich hätte am liebsten irgendetwas zu Kleinholz gemacht.

Mich regt dieses System einfach nur noch auf. Nix klappt mehr hier und es ärgert mich bis zum Himmel. Doch es wird sich in diesem Saftladen nichts bessern, eher verschlechtern.

Ich möchte uns einfach nur offiziell machen.

 

 

 

Vorgestern

… ist es ein halbes Jahr her, dass du einfach eingeschlafen bist. Du fehlst mir immer noch genauso wie an dem Tag, wo du gegangen bist. Es kommt mir so vor als wäre es gestern gewesen, dass ich dich in deinem Sessel gefunden habe und ich könnte noch die gleichen Tränen laufen lassen wie damals. Ich würde dich gerne mal besuchen, doch schaffe ich das noch nicht, ich habe es immer noch nicht verarbeitet. Warum bist du einfach so gegangen?

In dem letzten halben Jahr … es ist Wahnsinn und unglaublich was passiert ist, aber es ist passiert. Wäre das Unglaubliche früher passiert, dann wäre wahrscheinlich unser Verhältnis besser gewesen und du wärst zufriedener gewesen, auch wenn es eigentlich um meine Zufriedenheit und um mein Glück geht. Aber du hättest mein Glück gesehen und ich weiß, dass es dir am Herzen lag, auch wenn du es nicht richtig gezeigt hast. Du hast es auf deine Weise gezeigt und ich weiß jetzt, dass du mit manchen Sachen Recht hattest.

Ich bin so dankbar für das Unglaubliche und kann es manchmal immer noch nicht glauben. Genauso wenig kann ich es fassen, was in den letzten Monaten geschah und wie sie sich alles entwickelt hat. Es braucht noch Zeit, dass alles zu verarbeiten und vielleicht wird auch mal eine Träne dabei sein, aber ich habe keinen einzigen Zweifel und weiß, dass es die richtige Entscheidung war und ich sehr glücklich und zufrieden bin. Danke.

Neulich an der Tanke

Vor kurzem bin ich mit meinem Drahtesel und einem kleinen 5-Liter-Kanister zur Tankstelle gefahren, um etwas Benzin für ein Kleingerät zu holen. Eigentlich nichts Ungewöhnliches, habe ich es doch schon öfters gemacht.
Wie immer pflocke ich meinen Drahtesel an, ging zur Zapfsäule, zapfte mir meine 5,00 Liter und dann gings ab zu Kasse.
Aufgrund Corona gleicht der Weg zur Kasse immer noch einem Labyrinth. Geduldig wartete ich am Schlangenende. In der einen Hand den Kanister und in der anderen Hand die Karte zum Bezahlen, ganz Coronakonform kein Bargeld.

Dann war ich endlich dran, doch die Dame ließ mich warten. Wie ich mit bekam, war ihre Chefin gerade da, dementsprechend aufgeregt war sie, aber sie war recht freundlich. Ich sagte ihr meine Zapfsäulennummer und dann begann das kleine Drama… sie sah den Kanister in meiner Hand.

Sie (ganz panisch): „Ist der voll?“

Ich (auf meinen Kanister schauend): „Ja.“

Sie: „Das können Sie doch nicht machen!“

Panisch schaute sie hin und her.

Sie: „Schnell, stellen Sie den Kanister unten hin.“

Ich verstand die ganze Sache nicht… stellte den Kanister dann aber auf den Boden. Gefühlt eine Sekunde später kam die Chefin und verließ die Tankstelle.

Sie: „Puh, da haben Sie ja nochmal Glück gehabt und ich auch.“

Ist ja schön, dass ich Glück gehabt habe, aber ich verstand nur Bahnhof…

Ich: „Warum?“

Sie: „Sie können doch nicht einfach den Kanister mit hier rein nehmen.“

Ich: „Ich kann doch nicht den Kanister draußen stehen lassen, ich bin mit Fahrrad hier. Den Kanister kann jemand klauen, wenn er unbeaufsichtigt draußen steht.“

Sie: „Warum kaufen Sie Benzin wenn Sie mit Fahhrad hier sind?“

Ich: „Es gibt gewisse Kleingeräte, die brauchen Benzin.“ (Es ging sie zwar nichts an, aber gut…)

Sie: „Aber Ihr Fahrrad braucht doch kein Benzin.“

In dem Moment wusste ich nicht was ich sagen sollte, ich meinte mit Kleingerät garantiert nicht meinen Drahtesel und schwieg einfach… der Bezahlvorgang dauerte außergewöhnlich lang, was wohl an ihrer Aufregung lag und daran, dass sie zwei Mal meine Zapfsäulennummer falsch eingegeben hatte… ich sah ihr regelrecht an wie sie grübelte, warum ich Benzin kaufte, wenn ich doch mit Fahrrad hier bin.

Sie: „Und wie verwenden Sie das Benzin an Ihrem Fahrrad?“

Ich (mehr als nur erstaunt): „Wie bitte?“ Ich war mir unsicher, ob ich die Frage richtig verstanden hatte.

Sie (langsam unfreundlicher und sehr ungedudig): „Na wo kippen Sie das Benzin am Fahhrad rein?“

Zum Glück hatten wir zu dem Zeitpunkt den Bezahlvorgang endlich abgeschlossen. Ich hatte auch keine Lust weiter zu diskutieren…das war mir dann iwie zu dumm. Ich wünschte ihr einen schönen Tag, nahm meinen Kanister und setzte mich in Bewegung.

Sie: „Warten Sie!“

Ich wartete und fragte mich was jetzt kommt.

Sie ging schnell zum Fenster und schaute nach, ob ihre Chefin noch zu sehen ist.

Sie: „Ok, sie ist weg denke ich, aber gehen Sie schnell, nicht das Sie gesehen werden.“

Ich sagte nichts mehr und ging wortlos.

Draußen schaute ich mir nochmal all die tausend bunten Aufkleber an und es stand nirgends, dass ich kein Benzin mit rein nehmen darf.

Ich wollte einfach nur schnell Benzin holen, mehr nicht…

Momente

Momente, wo man merkt oder weiß, es gibt diese Momente (immer wieder).

Momente, wo man sein Handeln in Frage stellt.
Momente, wo man sich fragt, ob das Leben so laufen muss.
Momente, wo man sich fragt, was man ändern kann.
Momente, wo man mutig sein muss.
Momente, wo man den Schritt wagen muss.
Momente, wo man etwas ändern möchte.
Momente, wo man dazu stehen möchte
Momente, wo man hofft so akeptiert zu werden.
Momente, wo man so wie man ist geliebt werden möchte.
Momente, wo man einfach nur in Arm genommen werden möchte.
Momente, wo man gefragt werden möchte wie es einem wirklich geht.

Momente, wo man Alkoholiker verstehst.
Momente, wo man sich am liebsten betrinken würde.
Momente, wo man realisierst, dass Alkohol keine Lösung ist.
Momente, wo man nach dem Sinn des Lebens fragt.
Momente, wo man alles anzweifelt.
Momente, wo man morgens nicht mehr aufwachen möchte.
Momente, wo man sich fragt, warum das Auto einen nicht doch erwischt hat.
Momente, wo man zur Besinnung kommt.
Momente, wo man merkt wie gut es einem geht.

Momente, wo man Angst hat.
Momente, wo man Angst hat jemanden zu verlieren.
Momente, wo man sich nicht mehr vorstellen kann wie es ohne jemanden ist.
Momente, wo man ohne dem anderen nicht mehr kann.
Momente, wo man lieber sterben würde ohne dem anderen zu sein.
Momente, wo man noch mehr Angst hat jemanden zu verlieren.

Momente, wo man merkt, dass da mehr ist.
Momente, wo man es sich eingesteht.
Momente, wo man sich nicht mehr zurück halten kann.
Momente, wo man sich in die Augen schaut und nichts sagt.
Momente, wo man ohne Worte dem anderen zeigt, wie sehr man ihn liebt.
Momente, wo man weiß wie sehr man liebt.
Momente, wo man weiß warum man das tut.
Momente, wo man nicht oft genug sagen kann: Ich liebe dich.

Verständnis

Ich soll überall Verständnis haben. Verständnis hier und Verständnis da und Verständnis für die Vergangenheit und für die Zukunft. Sonst noch jemand ohne Verständnis-Fahrschein? Und wer hat eigentlich mal für mich Verständnis? Vor allem in meiner jetzigen Situation? Manchmal habe ich einfach keine Lust mehr Verständnis zu zeigen, irgendwann ist auch bei mir Schluss.

Seit über den zehn Jahre verkaufe ich privat alles was mir in die Finger kommt, wenn es keiner mehr in der Familie haben möchte und ich es damit vor der Mülltonne retten kann und jemand anderes sich darüber freuen kann. Also wird alles verkauft, was auch nur Ansatzweise für verkaufswürdig gehalten wird, auch wenn es teils Jahre zum Verkauf steht, irgendwann findet sich jemand und ich habe in der Hinsicht Gelduld, sehr viel Geduld. Ich schmeiße ungerne Sachen weg. Letztens beim Schrank ausmisten hatte ich wieder so einiges zum Verkaufen gefunden. Also schnell Bilder gemacht, ein bisschen was geschrieben dazu und schon standen die Sachen in der Bucht und in der kleinen Bucht online. Anders als erwartet, ploppten gleich etliche Nachrichten auf und es wurde ein Kaufinteresse nach dem anderen bekundet. Ich mag ja Käufer, die gleich mehrere Sachen kaufen, aber wer mag das nicht. Eine Klein-Buchtlerin bekundet an mehreren Anzeigen ein Interesse, es war an einem Freitagabend. Meist gebe ich bei Mehrfachkäufen einen kleinen Rabatt. Ich schicke ihr den Gesamtpreis und frage, ob die Sachen verschickt werden sollen. Es kommt erstmal keine Antwort, aber das kenne ich und stört mich nicht mehr. Am Sonntagmittag kommt dann doch eine Antwort in mein Postfach geflattert, man wolle es abholen. Ich bin eigentlich gegen Abholung, weil die Buchtler dann meist doch nicht kommen. Ich schlage gleich den Montag mit Uhrzeit vor, passt auch bei ihr sofort die Uhrzeit. Dann war es Montag und schon eine halbe Stunde nach der vereinbarten Zeit … das kommt mir doch bekannt vor. Es ploppt die Nachricht auf, man schaffe es nicht und bittet um Verständnis. Beim ersten Mal habe ich meist Verständnis, kann doch immer was dazwischen kommen. Ich schlage Dienstag die gleiche Zeit vor, diesmal, so wurde mir versichert, wird es klappen. Es war Dienstag und die gleiche Uhrzeit und meine Türklingel bimmelte nicht, aber inzwischen habe ich auch nichts anderes erwartet. Es kam auch keine Nachricht. Die kam erst am nächsten Morgen, man war noch in einem anderen Bezirk und hätte es nicht pünktlich geschafft und man bittet um Verständnis. So langsam ist meine Verständnis aufgebraucht, ich hab meine Zeit nicht im Lotto gewonnen, entwender man möchte kaufen oder einfach nein sagen, das gehört dazu. Ich antworte ihr, dass ich es ihr gerne zuschicke, da ich keine Lust mehr habe ständig versetzt zu werden und mit meiner Zeit was Besseres anfangen kann. Sofort kommt ein Antwort mit etlichen Entschuldigungen und wieder bittet man mich um Verständnis … ich komme mir vor wie bei der S-Bahn. Ich bekomme einen neuen Abholtermin vorgeschlagen, Freitag irgendwann nach dem Frühstück … tja blöd gelaufen, da bin ich arbeiten, und ich bin sehr froh, dass ich die Möglichkeit habe zur Arbeit zu gehen. Ich lehne den Termin ab. Es kam keine Antwort. Dann war es Freitag und ich bekam die Nachricht, dass man gleich da sei … meine Augen wurden größer … ich scrollte im Chat nach oben und sah zum Glück die Nachricht, dass ich den Termin abgesagt hatte. Ich antworte ihr, dass ich nicht da sei. Die Antwort kam unverzüglich mit der Frage, ob ich meine Arbeit nicht unterbrechen könne und schnell nach Hause fahren kann und ihr die Sachen geben könnte, man bittet um Verständnis, weil keine Zeit da ist. Ja ich hab auch keinen Zeitscheißenden Esel, der mir gemütlich hinterher trottet und mir regelmäßig mal ein klein bisschen Zeit auskackt. Nein der hat sich wie Apollo 13 auf die Bahngleise gestellt als der Zug kam. Tja dumm gelaufen, keine Zeit da. Warum auch immer war ich erstaunlich ruhig und es glitt immer noch alles an mir wie an einer Teflonpfanne ab. Sonst hätte ich nicht mehr drauf geantwortet, aber ich tat es dann doch, warum auch immer. Ich schrieb, dass ich es versende und es nicht mit abgeholt werden kann. Zu meinem Erstaunen war man einverstanden … wir tauschten die relevanten Daten aus, nach zwei Tagen war das Geld immer noch nicht eingangen, ich hakte nach. Man wolle es doch abholen und bittet um Verständnis, weil die Päckchenpreise so teuer sind … ich mach die nicht. Ich antwortete einfach nur „Nein“ und stellte alle reservierten Anzeigen wieder zum Verkauf. Jetzt war das Fass voll und ich hatte keinen Bock mehr auf die ganze Nummer und iwelches Scheiß-Verständnis. Tage später kam eine Nachricht (inzwischen 1,5 Wochen nach der ersten Anfrage), dass man gesehen hat, dass ich die Anzeigen wieder online gestellt habe, obwohl von ihr doch ein Kaufinteresse besteht. Ich antwortete einfach nur, dass das Pech für sie ist, aber ich mich nicht zum Narren halten lasse. Eine Sekunde später war der Chat von mir gelöscht. Vorgestern kam wieder eine Nachricht, sie hat Ausdauer … die Zeit, die zum Schreiben braucht, hätte sie nutzen können um das Geld zu überweisen oder ihren Allerwertesten zum vereinbarten Zeitpunkt hätte herschwingen können. Diesmal kam, dass man um Verstöndnis bittet, dass die weibliche Erzeugereinheit ihrerseits plötzlich ins Krankenhaus musste und man sich jetzt um die Tasche und vor allem um die Katze kümmern muss. Bei solchen Aussagen bin ich immer skeptisch … vertraue ich einer mir fremden Person solchen Informationen an? Ich würde es nicht tun. Es ist eine 50:50-Chance, dass diese Aussagen der Wahrheit entspricht, wenn dem so sein sollte, dann gute Besserung und Genesung, aber der Zug für die Anzeigen ist trotzdem abgefahren und mein Verständnis tummelt sich grad im negativen Bereich herum. Es ist alle, ich hatte kein Bock mehr und löschte einfach den Chat. Für mich ist die Sache erledigt. Ich hatte genug Verständnis und Zeit geopfert.

Cewe – Update

Wenn ich in meinem Kleinbild-Munitionslager schaue, fallen mir immer wieder meine Farbfilme ins Auge. Als ich mit der Analogfotografie angefangen hatte, war mein erster Film ein SW-Film, dann war erstmal Pause bei mir, es war eine lange Pause, das warum sei mal dahingestellt. Um wieder in das Knipsen rein zu kommen, nahm ich einige Farbfilme, um zu üben. Ich wollte nicht gleich meine SW-Filme verballern, sondern erstmal schauen, ob es noch was für mich ist und ich es noch irgendwie kann. Eigentlich mag ich die analoge Fotografie nur in schwarz-weiß, doch sind etliche Farbfilme in meinem Besitz und dank des lieben Lichtbildprophet haben sich die Farbfilme vor eingier Zeit bestimmt vervierfacht, worüber ich mich sehr gefreut habe. Denn dank meiner Lomi macht mir das Knipsen in Farbe wieder Spaß. Mit den anderen Kameras ist es mir zu langweilig, es kann schon etwas verspieltes, rotziges und unscharfes sein. Da ist die Lomi einfach perfekt.

Doch was tun wenn der Farbfilm durchgeknipst ist? Früher habe ich die Fime zu dm gebracht und habe gleich Abzüge machen lassen. Da dies immer geklappt hatte, hatte ich auch diesmal meinen Film bei dm abgegeben und somit in die vertrauensvollen Hände von Cewe gegeben. Nach gut zwei Wochen schaue ich bei dm vorbei. Voller Erwartung durchwühle ich das Fach und finde meinen Film. Fast hektisch vor Aufregung öffne ich die Packung, um zu schauen wie mein erster Farbfilm mit der Lomi geworden ist. Ich blättere schnell durch und es macht sich eine Mischung aus Verwirrung und Enttäuschung breit … irgendwas ist schief gelaufen, aber gewaltig schief gelaufen. Ich tätigte erstmal meinen Einkauf, bis ich mir in einer ruhigen Ecke nochmal die Abzüge anschaute … so langsam dämmerte es mir … ich warf einen Blick und die Negative und dann bestätigte sich mein Verdacht. Der Film wurde in einige Streifen geschnitten. Ist ja auch normal und richtig so, jedoch muss man dabei Aufpassen, dass man die Bilder nicht zerschneidet und genau das ist bei meinem Film passiert, sodass fast alle Bilder nur aus dem Anfang vom einen Bild bzw. aus dem Ende von einem anderen Bild bestehen, denn auch bei der Herstellung der Abzüge hat keiner einen Blick drauf geworfen, dass das auch schief geht, wenn ein Negativstreifen nur mit einem halben Bild anfängt. Ich war enttäuscht und sauer, stinksauer. Wer auch immer bei Cewe sich so liebevoll um meinen Film gekümmert hat: Danke fürs Versaubeuteln. Ich weiß ja nicht wie das abläuft bei Cewe. Aber ich gebe meinen Film extra ab, damit was aus dem Film wird und er professionell bearbeitet und dann hat einer keinen Bock auf seine Arbeit und ich hab Filmsalat. Vielen Dank Cewe für das tolle Benutzererlebnis und es gibt einen klaren Daumen nach unten.

Update – Drei Monate später

Geprägt vom letzten Filmsalat, war ich mir unsicher, ob ich wieder einen Farbfilm zu Cewe zum Entwickeln inkl. Abzüge geben soll. Wochen verstrichen bis ich mich entschieden hatte, kein untypisches Verhalten von mir. Mein lieber Lichtbildprophet gab mir den Tip dem Film einen Zettel bei zu legen, dass der Film bitte nicht zerschnitten werden soll. Gesagt getan. Voller Entschlossenheit und Optimismus gab ich meine beiden Filme in die Hände von Cewe. Diesmal aus logistischen Gründen aber über einen anderen Groß-Discounter. Nach ca. zwei Wochen kam ich wieder. Also ich meine Papiertasche mit meinem Namen fand, schlug mein Herz schneller und ich fragte mich, was sie diesmal falsch gemacht hatten. Ich wunderte mich, dass die Papiertasche so dich war. Als ich ein Blick hineinwarf, sah ich den Grund. Der Film wurde – wie drum gebeten – nicht zerschnitten und als ein langer Streifen gelassen und zum Schutz hat der Film eine kleine Papprolle bekommen, damit er nicht knickt. Ich war so glücklich in dem Moment, dass Cewe doch noch Mitarbeiter haben, die lesen können und das Gelesene auch umsetzen können.

Update – Vor wenigen Wochen

Da nun alles klappte mit der Filmentwicklung fütterte ich meine Lomi mit einem Farbfilm und wir gingen auf die Pirsch und es gab schnell neue Filme, die entwickelt werden wollten. Wieder mit einem Zettelchen am Film, dass man ihn bitte nicht schneiden möge, gab ich meine Filme ab. Ich war sehr optimistisch und glaubte natürlich daran, dass der CEWE-Mitarbeiter mit dem bisschen Herz am Werk war, wie beim letzten Mal. Warum auch immer glaube ich bis zum Ende an das Gute in allem. So auch dieses Mal … und wie so oft, wurde ich enttäuscht. Cewe hat mal wieder so ein Bockmist gemacht, das ist einfach unglaublich wie man so mit einem Film umgehen kann und das an einen Kunden heraus gegeben wird. Die sollten sich was schämen. Die Negative wurden trotz Zettel gnadenlos zerschnitten. Von jedem Bild sollte es eigentlich einen Abzug geben, bei einem Film wurde ein ganzer Streifen vergessen, wie das passieren kann, ist mir ein Rätsel. Ich war total enttäuscht und die ersten Zweifel an der analogen Farbfotografie wurden stärker. Ich klagte mein Leid natürlich meinem lieben Lichtbildprophet und er riet mir, die Farbfotografie aufzugeben. Zuerst war ich entsetzt … es war gutes Übungsmaterial für mich und ich brauche die Übung, ich möchte noch so viel lernen. Während sich ein Anflug von Trauer in mir breit machte, sagte mir mein Gefühl, dass es richtig wäre die Farbfotografie aufzugeben, denn wie sieht meine Zukunft in der Richtung aus … ich würde jedes Mal hoffen und bangen, dass es Cewe dieses Mal richtig macht und sie würden mich immer wieder enttäuschen und ich würde jedes Mal schimpfen wie ein Rohrspatz. Da stellt sich mir die Frage „Muss das wirklich sein?“. Ich denke nein. Also stand der Entschluss fest. Die Farbfilme und Cewe konnten mich mal kreuzweise den Buckel runter rodeln. Ich knipse jetzt nur noch schwarz-weiß und behalte meine Nerven und hebe mir das Aufregen und das Meckern für wirklich wichtigere Dinge auf.

Dunkeln

Es war soweit … ich stand allein in der Dunkelkammer … ohne meinem lieben Lichtbildprophet … diesmal musste ich es alleine schaffen. Klar ist das Dunkelkammern kein Hexenwerk, aber es gibt viele Kleinigkeiten zu beachten und ich kenne bisher nur den einen Standardweg, den ich für mich erstmal entdecken und seine Abzweigungen erkunden muss. Meine Reise hat hier erst begonnen.

Wir standen schon so einige Male zusammen in der Dunkelkammer, übers ganze Jahr und letzte Jahr gesehen, können wir die Male aber bestimmt an zwei Händen abzählen. Die viele Zeit zwischen dem Dunkelkammern war immer zu lang und es war jedes Mal in manchen Punkten ein kleiner Neuanfang, aber zum Glück nie komplett. Und wenn mein lieber Lichtbildprophet mir mit seiner Engelsgeduld immer wieder alles erklärte, blieb von Mal zu Mal immer mehr hängen und ich konnte ihn dann manchmal schon unterbrechen und ihm erzählen was ich mir gemerkt hatte. Hier möchte ich anmerken, dass es unfreundlich ist jemanden zu unterbrechen und man sowas nicht macht und ich versuche das auch so oft wie es geht zu vermeiden, hier wollte jedoch mein Wissen aus mir raus sprudeln und es ging nicht anders. Es ist ein schönes Gefühl immer mehr zu wissen, zumal es sich hier um mehr als nur Überzeugung handelt. Meine Erfahrung in den letzten ein zwei Jahren war immer wieder, dass eine eigene innere Überzeugung braucht, um manche Dinge wirklich mit Herz zu tun und voll dabei zu sein. Ist diese Überzeugung nicht da, ist das Projekt zum Scheitern verurteilt oder wird nur weniger als halbzufrieden erledigt.

Vor nicht allzu langer Zeit standen wir wieder zusammen in der Dunkelkammer. Wir beiden haben uns dem Lith-Prozess verschworen, er ist einfach klasse und sieht toll aus und dann mit überlagerten ORWO-Fotopapier … hach was will Frau mehr. Für mich ist es jedoch manchmal schwierig den richtigen Zeitpunkt zu finden den Abzug aus dem Lith rauszufischen. Ich muss immer auf das Schwarze achten, es muss richtig schwarz sein, nicht nur so halb, denn ich muss bedenken, dass ich nur unter Rotlicht schaue und das Schwarz bei normalen Licht nicht mehr so schwarz ausschaut und ich somit meinem Abzug ruhig ein paar Sekündchen mehr Zeit mit dem Lith geben kann. Diese braucht auch gleichzeitig für die hellen Bereiche, denn diese sind nicht einfach nur hell. Gebe ich dem Abzug auch hier mehr Zeit im Lith sehe ich, dass in den hellen Bereichen noch sehr viel herauszuholen ist  und sehr viele Details zum Vorschein kommen. Dies beides zu erkennen und den für meine Interpretation der Abzüge richtigen Zeitpunkt zu finden, hat dann schon etwas gebraucht, was aber auch an den Zeitabständen lag. Als ich dies aber nun sah, war der Rest in der Dunkelkammer wie ein Selbstläufer. Negativ einlegen, Motiv ausrichten, Papier drunter legen, belichten, dann im Lith planschen, wässern, fixieren und wieder wässern (kleine Zwischenschritte nicht erwähnt). Mein lieber Lichtbildprophet ließ mich an dem Tag alleine schalten und walten und saß gemütlich auf der Couch und es lief, wie der Run meines Fotolebens. Ab dem Tag war klar, ich würde es auch alleine schaffen. Ich war zwar teils anderer Meinung, aber auch wahrscheinlich nur weil ich nicht gerne alleine bin und es zu zweit in der Dunkelkammer schöner ist und man sich austauschen kann und Ideen entwickeln kann.

Da ich nun bewiesen hatte, dass ich auch alleine meine Abzüge machen kann, wollte ich dies natürlich auch in den Tat umsetzen. Am Vortag gab es noch eine Einweisung in den Selbstbaubelichter und der Fixierer wurde etwas aufgefrischt und es wurde eine kleiner Testlauf gemacht. Dann kam der Tag und ich stand alleine da und bereitete alles vor. Negative aussuchen, Papier rausholen, Belichter einschalten Schalen hinstellen und befüllen, dem Lith noch kurz aufpeppen, Maske aufsetzen und dann ging es los. Meine Aufregung war schon vorher groß, aber sie stieg und stieg, auch wenn ich selber wusste, dass es keine Grund dazu gab, wie immer bei mir, es gehört irgendwie zu mir.  Dann lag der erste im Abzug im Lith und das geduldige Warten begann… eine Minute kam mir vor wie ein mehrere Minuten. Trotz verklärter Zeitwahrnehmung ging es relativ schnell. Die Ungeduld ist in dem Moment und man möchte einfach sehen, dass sich etwas tut auf dem Papier … man braucht Geduld und Ruhe, hier liegt ja auch angeblich die Kraft … und irgendwie stimmt das auch.

Die letzten Wochen waren sehr ereignisreich, teils auch bitter und haben mich teils doch sehr mitgenommen. Es kam anders als ich ursprünglich dachte, es war das Risiko was ich einging und welches mir bewusst war, aber es ist auch etwas sehr schönes passiert, das vergesse ich nicht. An innerer Ruhe mangelt es mir grad immens, es ist grad kaum ein runter kommen möglich und sich auf sich selbst besinnen auch nicht, geschweige denn mal eine gewisse Zeit für sich zu sein und zwar alleine, ganz alleine. Da stand ich nun vor meinem Abzug … alleine und bei vollkommener Ruhe … anfangs war es was befremdlich, doch das ging schnell vorbei und ich merkte wie diese alleinige Ruhe mich runter kommen ließ, gefühlt meine Hand von der Starkstromleitung genommen und mich wieder geerdet hat. Es war auch ein erleichterndes Gefühl dabei, dies nun endlich mal wieder zu spüren und zu erleben. Es wäre möglich, dass vielleicht auch eine kleine Träne den Weg nach draußen suchte, doch dann sah ich, dass sich bei meinem Abzug etwas tat.

Die Wartezeit hatte eine Ende und mein Motiv erschien gemächlich auf dem Fotopapier. Ich liebe diesen Moment. Als das Schwarz so langsam anfing schwarz zu werden, nahm ich die Schale etwas mehr zum Rotlicht. Meine Aufregung stieg, jetzt war der Moment, wo ich aufpassen musste, dass das Schwarz auch wirklich schwarz war und in den hellen Bereichen auch etwas zu sehen ist und es insgesamt nicht zu dunkel wird, denn das geht dann meist doch ganz schnell. Ich fischte den Abzug aus dem Lith und hoffte, dass es der richtige Moment war. Schnell in Wasser gelegt und dann ab in den Fixieren, etwas schwenken und warten und dann konnte ich Licht an machen und als ich meinen Abzug so betrachte, kam mir ein Lächeln aufs Gesicht, er war für mich genau richtig abgepasst. Ich freute mich total und auch das Feedback per Messenger von meinem Lichtbildprophet war sehr gut, was mich noch mehr freute. Mein erster alleiniger Abzug konnte sich sehen lassen und ich war stolz wie Bolle auf ihn.

Nach diesem ersten Erfolg flutschte ein Abzug nach dem anderen durch den Lith und sie konnten fast immer mit dem ersten Abzug mithalten. Es erinnerte mich teils an Fließbandarbeit, aber ich war in meinem Element, wie ein Fisch im Wasser oder eine Pummeleinhorn im Keksland. Ich dachte an nichts, nur an meine Abzüge und gefühlt in 10 min waren ca. 2,5 Stunden verflogen. Die Zeit kann irgendwie nicht gleichmäßig laufen, aber ich war sehr zufrieden mit allen Abzügen. Teils hätten sie ein Minimü weniger oder mehr im Lith baden können, aber das sind letztlich nur Kleinigkeiten und grenzen wieder am eigenen Perfektionismus und der ist nur eine Endstation.

Ich freue mich schon auf das nächste Mal in der Dunkelkammer, auf die Ruhe und das Alleinsein und auf meine Abzüge. Danke mein lieber Lichtbildprophet für die Möglichkeit deine Dunkelkammer zu nutzen.