Wahrnehmung

Seit geraumer Zeit beschleicht mich das Gefühl, dass sehr vielen Menschen die Wahrnehmung etwas abhandengekommen ist. Naja, eigentlich ist dieses Gefühl schon sehr lange da. Wenige Menschen schauen einen bewusst an, oder schauen sich mit offenen Augen in der Welt um und nehmen das, was sie sehen auch wirklich wahr und schauen nicht nur hin und sehen es gar nicht. Ich frage mich wann das passiert ist, und wir nur noch auf uns selber achten, meist mit Smartphone den Augen, und selten auf das, was um uns herum geschieht. Es kam nicht von hier auf jetzt, es war ein schleichender Prozess.

Viele Menschen sind so mit sich selber beschäftigt oder nehmen andere so wenig wahr, dass sie nicht mal sehen, wenn manche Menschen offensichtlich Hilfe benötigen. Ich habe dies z.B. mehrmals beim Einkaufen beobachtet. Es gibt Menschen, die aus unterschiedlichsten Gründen an einen Rollstuhl gefesselt sind. Für sie ist es logischerweise nicht so einfach an höher gelegene Artikel heranzukommen. Doch helfen tun ihnen die wenigsten, auch wenn sie um Hilfe bitten, wird ihnen nicht immer geholfen, was für mich ein absolutes No-Go ist. Auch wenn jemand z.B. mit Fahrrad stürzt und es offensichtlich ist, dass es demjenigen nicht gut, kostet es nichts einfach mal zu fragen, ob alles gut ist oder ernsthaft etwas passiert ist. Die meisten werden sagen, dass alles halb so schlimm ist. Geht mir auch so. Aber es ist einfach die Tatsache an sich, dass man wahrgenommen wurde und sich sogar nach einem erkundigt wurde. Dies macht das Ganze manchmal nur noch halb so schlimm. Ich selber hatte vor langer Zeit diese Erfahrung gemacht. Mich hat es gefreut, dass sich jemand nach mir erkundigt hatte und sofort zur Hilfe eilte und sogar mit Auto angehalten wurde. Ich war darüber so positiv erstaunt, dass ich meinen Sturz total ausgeblendet habe. Den ganzen restlichen Tag, war neben dem Schmerz das Wissen da, dass es noch hilfsbereite Menschen gibt. Eine schöne Erfahrung, die ich nicht missen möchte.

Es gibt viele Menschen mit denen man tagtäglich zu tun hat. Ich beobachte gerne Menschen und ich schaue sie auch an, also wirklich anschauen und nicht nur durch sie hindurch schauen oder oberflächlich anschauen. Durch den täglichen Umgang mit ihnen oder durch die persönliche Nähe sehe ich ihnen an wenn etwas nicht in Ordnung ist und wie es ihnen geht. Dieses bewusste Wahrnehmen seines Gegenübers hat auch abegnommen finde ich. Jeder ist so mit sich selber beschäftigt bzw. so in seiner (stressigen) Welt gefangen, da sind andere Menschen egal. Mich interessiert es wie es anderen geht und wenn es ihnen schlecht geht, helfe ich gerne, auch wenn ich ihnen einfach nur zuhöre, wenn sie sich „ausheulen“. Ich mache das gerne. Auch wenn ich weiß, dass die meisten nicht wahrnehmen wie es mir geht und nicht für mich da sind, aber gut, so ist die Welt, so ist das Leben.

Auch die Wahrnehmung der Natur hat abgenommen. Inzwischen wird Vogelgezwitscher als störend empfunden und die lauten Autos, die an einem vorbei donnern nicht … diese Logik verstehe ich nicht. Vogelgezwitscher ist für mich etwas sehr Angenehmes. Vor allem wenn ich ganz früh zur Arbeit fahre und die ersten Vögel anfangen ihre Laute von sich zu geben und die Stadt noch fast schläft. Es ist immer wieder ein schöner Moment dies zu erleben und wahrzunehmen. Oder auch mal die Tiere in der Stadt wahrzunehmen, die immer mehr durch uns Menschen verscheucht und verjagt werden. Zur Erinnerung, die Tiere dringen nicht in unseren Lebensraum ein, sondern wir sind damals in ihren Lebensraum eingedrungen. Ich denke, dass man dies nicht außer Acht lassen sollte. Ich finde es schön einen Fuchs oder einen Hasen zu sehen oder auch einen Igel oder Eichhörnchen und die Vögel und die vielen anderen Tiere. Es ist ein Zeichen, dass es noch welche gibt und sie nicht komplett vertrieben wurden. Ich beobachte die Tiere gerne, wenn ich eines zu Gesicht bekomme, sofort wird abrupt gestoppt und das Tier beobachtet. Es ist ein Moment, wo man die Stadt um sich herum ausblendet und nur das Tier wahrnimmt, und manchmal nimmt einen auch das Tier wahr und es entsteht eine tiefer Blickkontakt, auch wenn es eher einer Schockstarre gleicht, was verständlich ist. Es entgeht einem so verdammt viel, wenn man mit Scheuklappen oder Smartphone vor der Nase durch die Welt läuft, man verpasst so viel, sei es einfach mal einen Moment inne zu halten und ein Tier zu beobachten und sich daran zu erfreuen und dies wert zu schätzen und nicht als selbstverständlich hinnehmen, denn irgendwann haben wir jedes Tier vertrieben oder ausgerottet. Die Natur hat so viel zu bieten, wir müssen nur richtig hinschauen und sie wahr nehmen.

Der erste Beitrag von damals

Diesen Beitrag möchte ich einem geliebten und leider schon verstorbenen Menschen widmen… meiner Oma. Inzwischen ist sie 10 Jahre tot und um ehrlich zu sein, habe ich ihren Tod nie verkraftet und auch nie verarbeitet und ich weiß nicht, ob ich beides kann oder schaffen werde… im Moment denke ich ‚Nein‘, da ich auch nicht weiß wie und auch mit fast niemanden darüber reden möchte oder kann und auch niemanden zur Last fallen und nerven möchte.
Als ich ein kleines Kind war, war ich viel bei meinen Großeltern, meine Eltern mussten leider viel arbeiten und so war es das Beste für mich, das verstehe ich auch. Es war toll, ich hatte alle Freiheiten und konnte mich austoben und tun und lassen was ich will und es war eine sehr schöne Zeit… doch diese hörte iwann auf als falsche Freunde in das Leben meiner Großeltern traten… unsere gute Beziehung wechselte in eine recht angespannte Beziehung, dies hielt bis kurz nach Erreichen meiner Volljährigkeit an … da lag sie auf einmal im Sterben und ist dem Tod von der Schippe gesprungen. Es war ein Schock und es war dieses Gefühl von Hilflosigkeit da. Das Gefühl war jetzt nicht unbedingt neu, aber es war noch nie in dieser Intensität da. In dem Augenblick war das normale halbwegs ungezwungene Leben vorbei und ich war plötzlich erwachsener. Ich war vorher schon erwachsen, aber das Ganze hat einen noch erwachsener gemacht. Es passierte während meiner Abschlussprüfungen, die dann nicht so dolle ausfielen, aber das war in dem Fall egal. Ich musste für meine Mutter da sein, sie hat mich damals sehr gebraucht. Ich war gerne für sie da, aber es hat mich auch teilweise etwas überfordert und es war diese Hilflosigkeit. Es war das erste Mal, dass ich jemand sah, der dem Tod so nah war… und das war ein Anblick, den ich nie vergessen werde. Irgendwie hat sie es geschafft dem Tod zu entkommen, doch sie war nie wieder die Oma, die ich kannte, sie war plötzlich ein Pflegefall und das machte mich zu einer Person, die sie mit pflegte. Das war für mich ein Sprung ins kalte Wasser, ich hatte keine Ahnung davon. Fortan war diese Pflege ein fester Bestandteil meines Lebens. Ich habe es gerne gemacht und ich bin an diesen Aufgaben gewachsen und habe mich weiterentwickelt. Einige Monate später war ich auf Bildungsreise und bekam die Nachricht von meinen Eltern, dass meine Oma wieder mit dem Tod ringt. Die zweite Hälfte der Reise habe ich nur noch wage in Erinnerung. Als ich wieder zu Hause war, ging es gleich am nächsten Tag ins Krankenhaus, meine Mutter musste arbeiten, ich war mit meinem Vater alleine da. Als ich sie sah, war es viel schlimmer als beim ersten Mal, damals dachte ich, dass es keine Steigerung mehr gibt, aber ich wurde eines Besseren belehrt… ich kann es auch nicht beschreiben, vllt. will ich dieses Bild auch nicht beschreiben, ich habe es im Kopf, doch sobald ich nach Worte dafür suche, ist es weg … bzw. verschwommen. Meine Oma war eine Kämpferin und sie schaffte es auch diesmal dem Tod zu entkommen. Doch der Weg in der Reha war lang. Sie musste vieles wieder erlernen, darum habe ich mich gekümmert. Ich habe ihr die Uhr beigebracht, ich habe mit ihr lesen geübt und mit Hausaufgaben gemacht, usw. Viele Sachen wollte sie nur mit mir machen, mit niemand anderen. Dies war sehr schwer für meine Mutter, was mir auch sehr leid tat und noch immer tut, aber so konnte ich ihr etwas abnehmen und sie entlasten. Dies hat mich meiner Oma sehr nahe gebracht und es war so als wenn wir die Rollen getauscht hatten. Als ich klein war, hat sie sich um mich gekümmert, jetzt war sie hilfebedürftig und ich habe mich um sie gekümmert. Zum Teil habe ich diese Nähe genossen, aber sie war auch schmerzhaft sie so zu sehen … sie leiden zu sehen … mit dem Leid anderer Personen komme ich bis heute in keinster Weise klar. Wir alle haben es geschafft, dass sie wieder bis zu einem gewissen Grad klar kam, ein Pflegefall blieb sie immer, das war klar, aber das Leben war wieder etwas Lebenswerter für sie.  Auch ein Herzinfarkt einige Monate später hat daran nichts geändert, aber auch hier hat sie es wieder nur knapp geschafft. Man sagt immer alle guten Dinge sind drei, in diesem Fall waren alle schlechten Dinge sind drei, aber sie lebte … und das zählte. Es verging einige Zeit und es stand ein wichtiger Termin zu Hause an, doch dann stürzte sie … es war der Klassiker an Knochenbrüchen bei alten Menschen … und es ging wieder ins Krankenhaus. Zu dem Zeitpunkt ahnte ich nicht, dass sie nie wieder nach Hause kommen wird. Mit dem Bruch lief alles gut und ich schickte meine Eltern in ihren wohl verdienten Urlaub und kümmerte mich um Oma, die im Krankenhaus für Krankenhausverhältnisse bestens versorgt wurde. Meine Eltern konnten in der Situation nichts machen und deshalb wollte ich, dass sie sich im Urlaub etwas erholen und Abstand bekommen. Ich hatte also die volle Verantwortung. Die ersten Tage ging alles gut, doch dann kam ein Anfall und es ging rapide bergab, es fing ein Pendeln zwischen Krankenhaus und Reha an und es wurde immer schlimmer und ich konnte nichts machen außer täglich hin zu fahren und bei ihr zu sein. Meine Eltern kamen aus dem Urlaub und am nächsten Tag bin ich mit meiner Mutter in die Reha gefahren. Es war ein guter Tag, ihr ging es besser und wir hatten Hoffnung, dass es nun bergauf geht. Ich wusste nicht, dass es das letzte ‚Aufbäumen‘ vor dem Tod war. Wir wollten noch zusammen Eis essen am nächsten Tag… doch dann war sie am nächsten Tag tot … sie ist einfach gegangen … sie hatte nur noch auf ihre Tochter gewartet, damit sie von uns gehen konnte. Sie hat es drei Mal geschafft dem Tod zu entkommen, das vierte Mal hat sie es nicht geschafft. Ich kann es nicht in Worte fassen … diese tiefe Trauer ist heute noch so da wie damals, es ist kein Deut besser geworden … sei es der Schmerz … sei es diese Hilflosigkeit…. Ich weiß nicht ob ich sagen kann, ob ich sie irgendwie in den Tode begleitet hab, aber manchmal habe ich das Gefühl. Und manchmal fühle mich schuldig und das wird sich glaub ich nie ändern. Leider kann ich nicht sagen warum ich mich schuldig fühle, vllt. habe ich meiner Mutter ihre Mutter weggenommen, ich hab alles gegeben was ich konnte und mehr konnte ich auch nicht tun. Trotzdem ist dieses Schuldgefühl in mir. Es war kaum Zeit zum Trauern, ich konnte nicht, ich wollte für meine Mutter da sein, ihren Schmerz zu sehen, macht mich bis heute sehr unglücklich genau wie Omas Tod.
Ich habe sehr viel von ihr… mehr von ihr als von meiner Mutter… was es für meine Mutter noch schwerer macht und dadurch für mich iwie auch und es tut mir in der Hinsicht auch sehr leid, dass ich so viel von ihr habe und dadurch meiner Mutter Schmerzen bereitet habe und sie so leiden musste/muss.

Dieser Blogeintrag ist für dich Oma … ich werde dich nie vergessen und du wirst immer einen Platz in meinem Herzen haben und ich danke dir für alles. Ich hoffe, dass du stolz auf mich wärst … ich vermisse dich so sehr … und Happy Birthday Oma.

Meine Oma

Dunkeln

Es war soweit … ich stand allein in der Dunkelkammer … ohne meinem lieben Lichtbildprophet … diesmal musste ich es alleine schaffen. Klar ist das Dunkelkammern kein Hexenwerk, aber es gibt viele Kleinigkeiten zu beachten und ich kenne bisher nur den einen Standardweg, den ich für mich erstmal entdecken und seine Abzweigungen erkunden muss. Meine Reise hat hier erst begonnen.

Wir standen schon so einige Male zusammen in der Dunkelkammer, übers ganze Jahr und letzte Jahr gesehen, können wir die Male aber bestimmt an zwei Händen abzählen. Die viele Zeit zwischen dem Dunkelkammern war immer zu lang und es war jedes Mal in manchen Punkten ein kleiner Neuanfang, aber zum Glück nie komplett. Und wenn mein lieber Lichtbildprophet mir mit seiner Engelsgeduld immer wieder alles erklärte, blieb von Mal zu Mal immer mehr hängen und ich konnte ihn dann manchmal schon unterbrechen und ihm erzählen was ich mir gemerkt hatte. Hier möchte ich anmerken, dass es unfreundlich ist jemanden zu unterbrechen und man sowas nicht macht und ich versuche das auch so oft wie es geht zu vermeiden, hier wollte jedoch mein Wissen aus mir raus sprudeln und es ging nicht anders. Es ist ein schönes Gefühl immer mehr zu wissen, zumal es sich hier um mehr als nur Überzeugung handelt. Meine Erfahrung in den letzten ein zwei Jahren war immer wieder, dass eine eigene innere Überzeugung braucht, um manche Dinge wirklich mit Herz zu tun und voll dabei zu sein. Ist diese Überzeugung nicht da, ist das Projekt zum Scheitern verurteilt oder wird nur weniger als halbzufrieden erledigt.

Vor nicht allzu langer Zeit standen wir wieder zusammen in der Dunkelkammer. Wir beiden haben uns dem Lith-Prozess verschworen, er ist einfach klasse und sieht toll aus und dann mit überlagerten ORWO-Fotopapier … hach was will Frau mehr. Für mich ist es jedoch manchmal schwierig den richtigen Zeitpunkt zu finden den Abzug aus dem Lith rauszufischen. Ich muss immer auf das Schwarze achten, es muss richtig schwarz sein, nicht nur so halb, denn ich muss bedenken, dass ich nur unter Rotlicht schaue und das Schwarz bei normalen Licht nicht mehr so schwarz ausschaut und ich somit meinem Abzug ruhig ein paar Sekündchen mehr Zeit mit dem Lith geben kann. Diese braucht auch gleichzeitig für die hellen Bereiche, denn diese sind nicht einfach nur hell. Gebe ich dem Abzug auch hier mehr Zeit im Lith sehe ich, dass in den hellen Bereichen noch sehr viel herauszuholen ist  und sehr viele Details zum Vorschein kommen. Dies beides zu erkennen und den für meine Interpretation der Abzüge richtigen Zeitpunkt zu finden, hat dann schon etwas gebraucht, was aber auch an den Zeitabständen lag. Als ich dies aber nun sah, war der Rest in der Dunkelkammer wie ein Selbstläufer. Negativ einlegen, Motiv ausrichten, Papier drunter legen, belichten, dann im Lith planschen, wässern, fixieren und wieder wässern (kleine Zwischenschritte nicht erwähnt). Mein lieber Lichtbildprophet ließ mich an dem Tag alleine schalten und walten und saß gemütlich auf der Couch und es lief, wie der Run meines Fotolebens. Ab dem Tag war klar, ich würde es auch alleine schaffen. Ich war zwar teils anderer Meinung, aber auch wahrscheinlich nur weil ich nicht gerne alleine bin und es zu zweit in der Dunkelkammer schöner ist und man sich austauschen kann und Ideen entwickeln kann.

Da ich nun bewiesen hatte, dass ich auch alleine meine Abzüge machen kann, wollte ich dies natürlich auch in den Tat umsetzen. Am Vortag gab es noch eine Einweisung in den Selbstbaubelichter und der Fixierer wurde etwas aufgefrischt und es wurde eine kleiner Testlauf gemacht. Dann kam der Tag und ich stand alleine da und bereitete alles vor. Negative aussuchen, Papier rausholen, Belichter einschalten Schalen hinstellen und befüllen, dem Lith noch kurz aufpeppen, Maske aufsetzen und dann ging es los. Meine Aufregung war schon vorher groß, aber sie stieg und stieg, auch wenn ich selber wusste, dass es keine Grund dazu gab, wie immer bei mir, es gehört irgendwie zu mir.  Dann lag der erste im Abzug im Lith und das geduldige Warten begann… eine Minute kam mir vor wie ein mehrere Minuten. Trotz verklärter Zeitwahrnehmung ging es relativ schnell. Die Ungeduld ist in dem Moment und man möchte einfach sehen, dass sich etwas tut auf dem Papier … man braucht Geduld und Ruhe, hier liegt ja auch angeblich die Kraft … und irgendwie stimmt das auch.

Die letzten Wochen waren sehr ereignisreich, teils auch bitter und haben mich teils doch sehr mitgenommen. Es kam anders als ich ursprünglich dachte, es war das Risiko was ich einging und welches mir bewusst war, aber es ist auch etwas sehr schönes passiert, das vergesse ich nicht. An innerer Ruhe mangelt es mir grad immens, es ist grad kaum ein runter kommen möglich und sich auf sich selbst besinnen auch nicht, geschweige denn mal eine gewisse Zeit für sich zu sein und zwar alleine, ganz alleine. Da stand ich nun vor meinem Abzug … alleine und bei vollkommener Ruhe … anfangs war es was befremdlich, doch das ging schnell vorbei und ich merkte wie diese alleinige Ruhe mich runter kommen ließ, gefühlt meine Hand von der Starkstromleitung genommen und mich wieder geerdet hat. Es war auch ein erleichterndes Gefühl dabei, dies nun endlich mal wieder zu spüren und zu erleben. Es wäre möglich, dass vielleicht auch eine kleine Träne den Weg nach draußen suchte, doch dann sah ich, dass sich bei meinem Abzug etwas tat.

Die Wartezeit hatte eine Ende und mein Motiv erschien gemächlich auf dem Fotopapier. Ich liebe diesen Moment. Als das Schwarz so langsam anfing schwarz zu werden, nahm ich die Schale etwas mehr zum Rotlicht. Meine Aufregung stieg, jetzt war der Moment, wo ich aufpassen musste, dass das Schwarz auch wirklich schwarz war und in den hellen Bereichen auch etwas zu sehen ist und es insgesamt nicht zu dunkel wird, denn das geht dann meist doch ganz schnell. Ich fischte den Abzug aus dem Lith und hoffte, dass es der richtige Moment war. Schnell in Wasser gelegt und dann ab in den Fixieren, etwas schwenken und warten und dann konnte ich Licht an machen und als ich meinen Abzug so betrachte, kam mir ein Lächeln aufs Gesicht, er war für mich genau richtig abgepasst. Ich freute mich total und auch das Feedback per Messenger von meinem Lichtbildprophet war sehr gut, was mich noch mehr freute. Mein erster alleiniger Abzug konnte sich sehen lassen und ich war stolz wie Bolle auf ihn.

Nach diesem ersten Erfolg flutschte ein Abzug nach dem anderen durch den Lith und sie konnten fast immer mit dem ersten Abzug mithalten. Es erinnerte mich teils an Fließbandarbeit, aber ich war in meinem Element, wie ein Fisch im Wasser oder eine Pummeleinhorn im Keksland. Ich dachte an nichts, nur an meine Abzüge und gefühlt in 10 min waren ca. 2,5 Stunden verflogen. Die Zeit kann irgendwie nicht gleichmäßig laufen, aber ich war sehr zufrieden mit allen Abzügen. Teils hätten sie ein Minimü weniger oder mehr im Lith baden können, aber das sind letztlich nur Kleinigkeiten und grenzen wieder am eigenen Perfektionismus und der ist nur eine Endstation.

Ich freue mich schon auf das nächste Mal in der Dunkelkammer, auf die Ruhe und das Alleinsein und auf meine Abzüge. Danke mein lieber Lichtbildprophet für die Möglichkeit deine Dunkelkammer zu nutzen.